Credit: Madina Sayed-Charki | SVG Hessen eG
Der Factoring-Anbieter EKF Finanz Frankfurt gehört zur SVG-Hessen-Firmengruppe und berät unter anderem Transport- und Logistikunternehmen in Finanzfragen. Seit dem 1. April 2026 ist Factoring-Experte Christian Englert Teil der Geschäftsführung. Warum Factoring eine ideale Ergänzung zur Hausbank und wieso Vertrauen dabei so wichtig ist, erklärt er im Interview.
Die Fragen im Überblick:
Hallo Herr Englert, wo erreichen wir Sie denn gerade?
Hallo! Ich sitze gerade im Auto und bin auf dem Weg zu einem unserer langjährigen Kunden in Nordhessen.
Seit dem 1.4.2026 sind Sie Geschäftsführer bei der EKF Finanz Frankfurt. Wie war Ihr Start?
(lacht) Anfangs bin ich gefragt worden, wo mein Schreibtisch hin soll. Und ich habe gesagt, darum mache ich mir erst mal keine Gedanken, weil ich in den ersten Monaten keinen Schreibtisch brauche. Da ist mein Arbeitsplatz bei den Mitarbeitern und hier, im Auto. Zum Anfang geht es mir erst einmal darum, die Kunden, die Partner und auch die Kolleginnen und Kollegen persönlich kennenzulernen, um eine Kommunikationsebene aufzubauen und Vertrauen zu schaffen.
Wie würden Sie jemandem, der sich nicht täglich mit Finanzfragen beschäftigt, erklären, was Factoring ist?
Einfach gesagt, ist es das Verkaufen der offenen Rechnungen, um sofortige Liquidität zu erhalten. Das Factoring-Unternehmen – in der Fachsprache: der Factor – zahlt bis zu 90 oder sogar 100 Prozent der offenen Rechnungssumme innerhalb von 24 bis 48 Stunden und dadurch verfügen die Kunden über sofortige Liquidität. Viele Transportunternehmer haben mit größeren Abnehmern zu tun, zu denen oft eine Abhängigkeit besteht, und sie müssen Zahlungsziele von 30, 60 und teilweise 90 Tagen akzeptieren. Da ist die sofortige Liquidität natürlich sehr entlastend. Außerdem können Kunden auch weitere Leistungen in Anspruch nehmen wie das Mahnwesen, also das Debitorenmanagement, und sie haben in Bezug auf ihre Debitoren einen hundertprozentigen Ausfallschutz.
Factoring braucht eine Face-to-Face- Kommunikation. Darin sehe ich ein großes Potenzial und so verstehe ich auch meine Rolle als Geschäftsführer.
In Ihrer bisherigen Laufbahn hatten Sie auch viel mit Transport- und Logistikunternehmen zu tun. Wo sehen Sie die größten finanziellen Herausforderungen für die Branche, neben den langen Zahlungszielen?
Die Speditionsbranche kämpft hart, was die Margen betrifft. Der Wettbewerb ist ja riesig. Die klassischen Herausforderungen sind steigende Mautkosten, steigende Dieselkosten und auch steigende Löhne. Stichwort: Mindestlohn. Für diese anwachsenden Kosten muss der Spediteur 30 Tage oder mehr, je nach Zahlungsziel, in die Vorfinanzierung gehen.
Und welche Herausforderungen sehen Sie speziell für klein- und mittelständische Unternehmen?
Aktuell sehe ich bei KMUs großen Bedarf an Liquidität und an Planbarkeit der Liquidität. Da kommt es nicht drauf an, ob es ein Kleinunternehmen ist oder ein Mittelständler. Alle haben gerade die Herausforderung aufgrund der Konjunkturschwankungen. Im Moment tun sich alle Unternehmen sehr schwer, Investitionen zu tätigen. Die Nachfrage stagniert, kommt sie dann wieder, ist es schwierig, das eigene unternehmerische Risiko einzuschätzen.
Also: Investiere ich in Personal, investiere ich in Fahrzeuge, um den Umsatz zu generieren? Zu welchem Ertrag tue ich das, mit welcher Marge lassen sich neue Aufträge umsetzen? Das ist momentan sehr schwierig zu entscheiden.
Welche Vorteile bietet Factoring für Unternehmen bei solchen Herausforderungen?
Angesichts der Situation sind Unternehmen unsicher und warten ab. Das wird sich grundsätzlich wohl erst ändern, wenn die
Konjunktur wieder in Schwung kommt. Wir versuchen mit Factoring aber, diese Bedenken ein Stück weit zu nehmen, Sicherheit zu geben und damit vielleicht auch eine gewisse Investitionsfreudigkeit herzustellen.
Und was unterscheidet Factoring etwa von einem Kredit bei der Hausbank?
Gegenüber anderen Finanzierungsformen liegt der Vorteil darin, dass Factoring planbarer ist. Factoring wächst automatisch mit, ohne dass eine Bürgschaft oder ähnliches hinterlegt werden müsste. Wenn der Umsatz steigt, wächst auch automatisch die Liquidität durch Factoring mit. Und das macht das Ganze für Unternehmen verlässlich.
Kann Factoring für Unternehmen die Hausbank ersetzen?
Das kann es nicht, und das wollen wir auch gar nicht. Wir sind eine Ergänzung zur klassischen Bankfinanzierung und wollen sie nicht ersetzen. Unternehmen sollten meiner Meinung nach auf einen Finanzierungsmix setzen aus Hausbank mit Kontokorrent- beziehungsweise Finanzierungslinie, aus Factoring und anderen Finanzierungsformen wie zum Beispiel aus Leasing. Viele Transportunternehmen leasen ihre Fahrzeuge. Für uns als EKF ist es wichtig, dem Kunden zu signalisieren, dass wir ihn vollumfänglich verstehen wollen und ihn begleiten, wenn er Themen mit der Hausbank hat und mit Factoring ergänzend helfen können.
Wann ist in herausfordernden Zeiten der richtige Moment für Unternehmen, um ins Factoring einzusteigen?
Es ist sinnvoll, frühzeitig über Factoring zu sprechen und nicht erst dann, wenn ein Unternehmer sofortigen Liquiditätsbedarf hat. Wir versuchen Interessenten zu überzeugen, dass man solche Instrumente am besten dann installiert, wenn man sie noch nicht unbedingt braucht. Ich persönlich erlebe es immer wieder, dass viele Interessenten erst kommen, wenn die Kontokorrentlinie bei der Bank ausgeschöpft und der Liquiditätsdruck bereits hoch ist.
Factoring sollte nicht als letztes Mittel eingesetzt werden, sondern bereits frühzeitig eingeplant werden. Gerade in der aktuellen Zeit ist es sinnvoll, sich mit Factoring zu beschäftigen, bevor die Konjunktur wieder anzieht und die Unternehmen mit vielleicht etwas schwächeren Zahlen bei den Banken nach Liquidität fragen und potenzielle Aufträge bereits angenommen worden sind.
Wir geben mit Factoring Sicherheit und stellen damit vielleicht auch eine gewisse Investitionsfreudigkeit her.
Die EKF hat ihr Angebot in einzelnen Bausteinen aufgebaut. Welche Vorteile bietet diese modulare Struktur für die Kunden?
Wir wollen Kunden keinen Standard aufdrücken, sondern versuchen, für jeden eine passende Lösung zu gestalten. Deshalb bieten wir verschiedene Module an. Neben der reinen Forderungsübertragung können Kunden Dienstleistungen wie Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Inkasso buchen. Es kann sein, dass der Kunde über eine eigene Warenkreditversicherung
verfügt und unsere Ausfallversicherung nicht braucht. Oder dass er jemanden in der Buchhaltung hat und unser Angebot dafür nicht braucht. Jedes Unternehmen ist individuell, und mit dem modularen Aufbau wollen wir unser Angebot dem Kunden anpassen, statt ihm aufzuerlegen, wie er zu sein hat.
Aber für kleine Unternehmen kann es doch empfehlenswert sein, die Buchhaltung an die EKF auszulagern?
Natürlich. Gerade bei kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, bei denen der Inhaber vielleicht noch selbst fährt und operativ mitarbeitet, kann es schwierig sein, jemanden zu finden, der die Fähigkeiten und das Vertrauen hat, die Buchhaltung zu führen.
Sie haben in Ihrer beruflichen Laufbahn bei unterschiedlichen Finanzdienstleistern gearbeitet. Warum haben Sie sich jetzt für die EKF entschieden?
Die EKF kenne ich inzwischen seit zweieinhalb Jahren. Sie ist ein regional ansässiges Unternehmen, das war für mich entscheidend. Sie hat eine gute Basis, einen guten Ertrag, macht einen guten Job. Darauf kann ich mit meiner Erfahrung, meinem Wissen und meiner Marktkenntnis aufbauen. Da ist viel Entwicklungspotenzial, auch angesichts des Gesellschafterhintergrunds mit der SVG.
Von den Gesellschaftern wird ein Grundvertrauen vermittelt, und das ermöglicht Begegnungen auf Augenhöhe. Und das ist mir wichtig: Menschen auf Augenhöhe begegnen und authentisch bleiben. Das ist der Schlüssel für eine gute Zusammenarbeit – sowohl im Außen- als auch im Innenverhältnis.
In Ihrem bisherigen Berufsleben haben Sie sowohl bei Banken als auch bei Unternehmen gearbeitet, die Factoring anbieten. Was unterscheidet Ihrer Ansicht nach diese beiden Arten des Factorings?
Als Factoring-Unternehmen hat die EKF ihren Ursprung im Handelsgeschäft und feiert im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Der wesentliche Unterschied zu Banken, die Factoring anbieten, ist, dass diese sehr prozesslastig sind. Die EKF begegnet ihren Kunden als Mittelständler auf Augenhöhe und hier setzt unser Unternehmensfactoring an. Mit Regionalität und langjährigem Vertrauen wollen wir die individuellen Bedürfnisse der Kunden verstehen und sind flexibel, da wo andere vielleicht Standards definieren.
Sie haben mehrfach den Begriff Vertrauen verwendet. Wie wichtig ist dieser Wert im Factoring?
Ohne geht es nicht. Vertrauen, Kommunikation und Verlässlichkeit sind die Basis von Factoring. Der Unternehmer, der vor uns sitzt, teilt all seine Bedürfnisse und Ängste mit uns und wir müssen mit diesen sensiblen Informationen auch vertrauensvoll umgehen. Gerade, wo es nun mal um Geld geht. Unsere wichtigste Grundlage ist es, dem Kunden das Vertrauen zu geben, dass er sich bei uns entfalten kann, dass seine Daten sicher sind. Und dass wir auch refinanziert sind, also dass wir ihm das Geld auszahlen können. Unsere wichtigste Grundlage ist es, dem Kunden die Sicherheit zu geben, dass er sich bei uns gut aufgehoben fühlt – fachlich wie persönlich.
Als regional verwurzelter und gleichzeitig überregional tätiger Partner verbinden wir Nähe, Verlässlichkeit und persönliche
Zusammenarbeit auf Augenhöhe, um Unternehmer langfristig zu begleiten.
Bedeutet Vertrauen dann auch, die Kunden im Alltagsgeschäft persönlich zu treffen?
Definitiv. Das ist mein Fazit aus über 15 Jahren Berufserfahrung: Factoring braucht eine Face-to-Face-Kommunikation. So verstehe ich auch meine Rolle als Geschäftsführer, ich will mich nicht irgendwo im Büro verstecken, mein Ziel ist es, rauszugehen, mit den Kunden persönlich zu sprechen, ihre Unternehmen zu sehen und zu verstehen, was sie beschäftigt. Digitale Formate können dabei sinnvoll unterstützen, ersetzen aber nicht die persönliche Begegnung. Für mich ist der persönliche Kontakt gerade in der laufenden Zusammenarbeit ein Ausdruck von Wertschätzung und die Grundlage für eine vertrauensvolle Partnerschaft auf Augenhöhe.
Welche Ziele haben Sie sich persönlich für Ihre erste Zeit als Geschäftsführer der EKF Finanz Frankfurt gesetzt?
Mein erstes Ziel ist es, nachdem ich jetzt angekommen bin, das Unternehmen immer noch besser zu verstehen. Das wird
eine gewisse Zeit brauchen. Und darauf liegt mein erster Fokus: Verbindungen zu den Mitarbeitenden und Kunden zu vertiefen, das Unternehmen wirklich bis in jedes kleinste Detail zu kennen, die Prozesse zu verstehen. Auch um zu erkennen, wo ich hier mit meiner Erfahrung ansetzen kann.
ZUM UNTERNEHMEN
Die EKF Finanz Frankfurt GmbH ist ein erfahrener Factoring-Anbieter, der 2027 sein hundertjähriges Jubiläum feiert. Seit 2024 sind die SVG Hessen und die SVG Nordwest Gesellschafter des Unternehmens. Dadurch ist die EKF mit den Anforderungen sowohl der Transport- und Logistikbranche wie auch von Klein- und Mittelständlern generell bestens vertraut.





