Credit: Spedition Schuldes, Madina Sayed-Charki | SVG Hessen eG
Von Druckerzeugnissen bis Rollrasen: Die „Freundliche Spedition“ Schuldes übernimmt gerne komplexe Transportaufgaben und verzichtet auf ihr Online-Auftragsportal. In das traditionelle Familienunternehmen ist gerade die dritte Generation mit eingestiegen.
Von Lebensmitteln für die Supermarktfiliale bis zu Sand und Kies für die Baustelle: Grundsätzlich fahren Speditionen alles, praktisch jede Art von Gütern kann auf den Ladeflächen von Lkw landen. Die Spedition Schuldes aus dem südhessischen Alsbach/Sandwiese transportiert – neben vielem anderen – dann aber doch etwas ganz Besonderes: Rollrasen für Fußballstadien. Ob große oder kleine Stadien, Bundes- oder Verbandsliga: Schuldes liefert frisches Grün.
„Aktuell freuen wir uns auf jede EM und WM“, sagt Christopher Schuldes, der das Unternehmen zusammen mit seiner Schwester Alina, seinem Vater Gerhard und Onkel Manfred jr. leitet.

Ein freundlicher Umgang tut keinem weh.
Historisch liegen die Wurzeln der Spedition in der Zusammenarbeit mit der Druckindustrie, die das Geschäft auch heute noch mitbestimmt. Maschinenausfälle bei Druckereien oder einfach nur Feiertage machen dieses Geschäft anspruchsvoll. Eine gesicherte Verfügbarkeit der Fahrzeuge ist wichtig, um Veröffentlichungstermine nicht zu gefährden.
„Hier sind wir bei manchen Projekten bis hin zur Beratung hinsichtlich des Maschinenbelegungsplans aktiv, sodass je nach Strecke die Waren rechtzeitig vor Ort sind“, erklärt Schuldes. Auch bei Messetransporten hat das Unternehmen viel Know-how entwickelt, um die Kunden ideal zu betreuen. Wie behält man den Überblick bei solchen anspruchsvollen Aufgaben? „Mit einer sauberen Planung. Punkt“, sagt Christopher Schuldes. So einfach und doch so schwierig.
Essenziell dafür ist die Kommunikation. „Wirklich mit dem Kunden sprechen, kreativ an die Aufgabenstellung herangehen und versuchen, einen Mehrwert für alle Seiten zu erzielen“, darum gehe es. „Wir sind bewusst davon weggegangen, dass man uns Aufträge über ein Online-Portal schicken muss“, erzählt er. Und die Kunden hätten das positiv angenommen: „Sie freuen sich, wenn sie den Hörer in die Hand nehmen und mit uns sprechen können, ohne sich mit irgendwelchen Zugangsdaten einloggen zu müssen.“
Die Mitarbeitenden müssen vom Herzen her passen.
Tradition und menschliche Werte
Damit ist man bei einem Thema, das man neumodisch das „Mindset“ des Unternehmens nennen könnte; Christopher Schuldes spricht von Mission. Tradition und menschliche Werte bestimmen den Geist der Spedition Schuldes. „Die jahrelange Verbundenheit und eine sehr gute Zusammenarbeit über die Generationen hinweg“, das macht für Schuldes die Tradition des Unternehmens aus. Nach außen und nach innen. Und natürlich stehen Vater Gerhard und Onkel Manfred jr. der neuen Geschäftsführung immer noch mit vollem Arbeitseinsatz, bis zur finalen Übergabe zur Seite.
Ebenso wichtig sind die menschlichen Werte. „Das ist das A und O für mich, da bin ich ganz ehrlich“, unterstreicht Christopher
Schuldes. „Ein freundlicher Umgang tut keinem weh.“ Im Gegenteil: Wer anderen unhöflich oder skeptisch begegnet, steht
einer Lösungsfindung oft selbst im Weg ist er überzeugt. Nicht umsonst nennt sich Schuldes ganz offiziell „Die freundliche
Spedition“.
Diesen besonderen Umgang lebt man bei Schuldes auch im Umgang mit den Mitarbeitenden. Der Geschäftsführer versteht den
Begriff des Familienunternehmens denn auch in einem erweiterten Sinne. „Es ist nicht nur ein Familienunternehmen, sondern wirklich Familie. Auch die Mitarbeiter sind ein Stück weit Familie, denen wir helfen, wenn es privat irgendwo hakt“, erzählt er.
Jeden Fahrer sehe er mehrfach die Woche persönlich und könne sich direkt über alles austauschen, was wichtig ist, betont Christopher Schuldes, der auf dem Weg zum Gespräch mit dem „Hessischen Verkehrsspiegel“ noch einem Kollegen auf dem Betriebshof zum Geburtstag gratuliert hatte. Ein anderer ist übrigens sein Trauzeuge.
Arbeitskräfte aus der Region
Für die Auswahl seiner Mitarbeitenden hat Schuldes auch ein ganz besonderes Kriterium: „Sie müssen vom Herzen her passen.“ Man habe sich schon für Kandidaten entschieden, die im Bewerbungsprozess nicht die ersten Plätze belegt hätten, aber die eine besondere Leidenschaft gezeigt hätten. „Jeder, der vom Herzen passt, der einen eigenen guten Willen an den Tag legt und Lust zeigt, mitzugestalten und sich zu verbessern, ist bei uns herzlich willkommen.“ Dabei setzt die Spedition vor allem auf Arbeitskräfte aus der Umgebung. Nicht nur für den eigenen Personalbedarf bildet die Spedition aus. Seit mittlerweile 15 Jahren ist sie als Aus- und Weiterbildungszentrum für Berufskraftfahrer zertifiziert und betreut den Nachwuchs von Unternehmen aus der Region.
Darunter sind dann auch Heizöllieferanten, Bau- und Entsorgungsunternehmen. „So entsteht ein ganz toller Austausch und man hat einen Blick auf die gesamte Transportbranche“, freut sich Christopher Schuldes.
Diese Ausbildungstätigkeit ist für die Spedition Schuldes weniger wirtschaftlich interessant als im Hinblick auf Qualitätskriterien.
„Es ist unser Anspruch, dass wir genau wissen, was die Lehrinhalte und die Vorgaben des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes
sind.“
Austausch mit anderen Jungunternehmern
Seit dem Frühjahr 2026 sind die Geschwister Alina und Christopher Schuldes Teil der Geschäftsführung. Der Einstieg war für
Christopher gar keine so große Sache, weil er vorher schon viel mitgesprochen hat und in zahlreiche Entscheidungen eingebunden war. Und dass er inzwischen über den entsprechenden Titel verfügt, nimmt er auch eher gelassen: „Ich werde den Geschäftsführer jetzt nicht auf die Visitenkarte setzen.“ Stark bei seinem Einstieg profitiert hat er vom Austausch im Arbeitskreis „Junge Unternehmer:innen“ des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). „Das ist eine hervorragende Gruppe, eine ganz tolle Erfahrung. Es bringt jeden von uns weiter, weil die Themen sehr ähnlich sind.“
Seine persönlichen Ziele als neuer Geschäftsführer sieht Christopher Schuldes auch eher entspannt: „Den Laden am Laufen halten. Das oberste Ziel ist, dass diese Firma weiterhin lebt und stabil aufgestellt ist.“
Elektromobilität? Äußerst schwierig
Ein großes Änderungsthema, das er angehen muss, sieht er dennoch: die Transformation in der Antriebstechnologie.
„Zur Elektromobilität sind wir aktuell in Gesprächen mit den Herstellern und einem heimischen Versorger. Das stellt sich aber
in der Umsetzung als äußerst schwierig dar. Gerade in Bezug auf Ladeinfrastruktur und Ladebedingungen haben wir noch nicht die finale Lösung, weil vieles aktuell noch nicht umsetzbar ist.„
Kreativ an die Aufgabenstellung herangehen und einen Mehrwert für alle Seiten erzielen.





