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Bei 25 Tagen durchschnittlichem Zahlungsziel und immer wieder verzögerten Zahlungseingängen warten Transport- und Logistikunternehmen oftmals lange auf ihr Geld. Dessen ungeachtet müssen sie Löhne, Diesel und Mautgebühren zahlen. Wie Factoring aus diesem Dilemma hinaushelfen kann, erläutert Wolfgang Roell von der EKF Finanz Frankfurt.

Hallo Herr Roell, wo erreichen wir Sie denn gerade?

Ich bin gerade im Büro und bereite mich auf den
nächsten Kundentermin vor. Aktuell handelt es sich um ein Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche

ZUR PERSON

Wolfgang Roell ist ein gewiesener Finanzexperte und seit dem 1.4.2011 bei EKF als Leiter Marketing und Vertrieb tätig, mit dem Unternehmen aber bereits seit 1999 vertraut. Seit 1994 arbeitet er im Factoring und war seither in verschiedenen Positionen bei unterschiedlichen Unternehmen tätig.

Sie arbeiten bei der EKF Finanz Frankfurt. Was genau macht das Unternehmen?

Wir sind ein Finanzdienstleister und bieten Factoring und Zentralregulierung an. Beim Factoring handelt es sich um den regresslosen Ankauf von Forderungen im B2BBereich. Wir kaufen also die Forderungen unserer Kunden, die sofort einen Großteil des jeweiligen Rechnungsbetrages (90 Prozent) erhalten. Der Restbetrag (10 Prozent) wird abgerechnet, sobald die Kunden unserer
Kunden, also die Debitoren, gezahlt haben.
Zudem übernehmen wir das Debitorenausfallrisiko sowie die Debitorenbuchhaltung, das Mahn- und Inkassowesen. Also quasi das
Rundum-Sorglos-Paket. Bei der Zentralregulierung (Abrechnungssystem) steuern und optimieren wir den Zahlungsverkehr zwischen Mitgliedern von Einkaufsverbänden und deren Lieferanten.

Kompakte Informationen und Hintergründe zu Factoring finden Sie hier:

Wie setzen sich Ihre Kunden zusammen?

Bei unseren Kunden handelt es sich um Dienstleister, zum Beispiel Transport- und Logistikunternehmen, Personaldienstleister, IT-Dienstleister oder Gebäudereiniger, außerdem Handelsunternehmen sowie produzierende und weiterverarbeitende Unternehmen.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Aktuell beschäftigen wir 21 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wir sind echte „Service-Freaks“. Von Beginn an nehmen wir unsere Kunden an die Hand.

Was konkret ist Factoring?

Factoring ist eine moderne Finanzdienstleistung, die der Umsatzfinanzierung dient. Ein Factor kauft dabei Geldforderungen aus Warenlieferungen und/oder Dienstleistungen eines Factoring-Kunden gegen dessen Abnehmer (Debitoren) im Rahmen festgelegter Debitorenlimite an. Als Gegenleistung für die Abtretung der Forderungen leistet der Factor an den Factoring-Kunden umgehend Zahlungen, die sich an der Höhe der Forderungen orientieren.
Factoring hat dabei im Wesentlichen drei Funktionen: Liquidität, Delkredereschutz sowie Dienstleistung.

Die EKF bietet ihren Kunden ein modular aufgebautes Angebot, aus dem jeder auswählen kann, was für sein Unternehmen am besten passt.

Wie sieht dieses gestaffelte Angebot aus?

Wir versuchen die Interessenten da abzuholen, wo sie stehen – zunächst mit einer Analyse der Ist-Situation. Dann schauen wir, welche Vorstellungen bestehen und versuchen dann all diese Punkte in unserem Angebot zu berücksichtigen. Bestandteil eines Angebotes ist immer die zusätzlich gewonnene Liquidität, die Risikoübernahme von potenziellen Forderungsausfällen und die Übernahme administrativer Aufgaben. Ob wir das für alle Debitoren oder nur einen Teil übernehmen, entscheidet am Ende immer
unser zukünftiger Kunde – eben so, wie es für ihn passt.

Welches sind die entscheidenden Vorteile von Factoring?

Der größte Vorteil ist sicherlich, immer liquide zu sein und jederzeit seine Verbindlichkeiten, egal ob Löhne, Steuern oder andere Lieferanten bezahlen zu können – ganz unabhängig davon, wann die eigenen Kunden zahlen. Hinzukommt, dass im echten Factoring das Debitorenausfallrisiko auf den Factor übergeht (und wir arbeiten nur im echten Factoring) – unser Kunde somit keine
Zahlungsausfälle mehr befürchten muss. Zu guter Letzt entlasten wir unsere Kunden administrativ, indem wir die Debitorenbuchhaltung, das Mahn- und Inkassowesen übernehmen. Ein Aspekt, der oft unterschätzt wird.

Wir sind selbst ein mittelständisches Unternehmen, daher kennen wir die Sorgen und Nöte unserer Kunden und nehmen diese selbstverständlich ernst.

Ist Factoring auch etwas für mittelständische Transport- und Logistikunternehmen?

Selbstverständlich. Das war sogar die erste Branche, in der wir Factoring angeboten haben. Warum? Weil wir als Handelsunternehmen eigene Fahrer und eigene Fahrzeuge hatten. So kannten wir uns in der Branche aus und sind mit dem Factoring gestartet.

Was antworten Sie Unternehmern, die sagen „Ich arbeite lieber mit meiner Hausbank zusammen, der ich seit Jahren vertraue“?

Er ist absolut wichtig, mit seiner Hausbank vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Allerdings übernimmt die Hausbank nicht das
Ausfallrisiko oder administrative Aufgaben. Die Hausbank versorgt die Unternehmen mit Liquidität – allerdings gegen harte Sicherheiten wie Grund und Boden, Lagerbestände etc. Das ist bei uns nicht der Fall. Unsere Sicherheit sind die Forderungen. Und noch ein wesentlicher Unterschied: Wenn das Unternehmen wächst, wächst die Liquidität bei der Hausbank nicht automatisch mit, was bei uns dagegen der Fall ist. Oftmals ist es eine Kombination aus Hausbank und Factoring, welches den Kunden weiterbringt.

Was kostet Unternehmen Ihre Dienstleistung?

Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich, so wie es auch unsere Kunden sind. Wir kalkulieren Angebote immer individuell. Es geht dabei um den Umsatz, den durchschnittlichen Forderungsbestand, die Anzahl der Debitoren p. a. und die Anzahl der Rechnungen p. a. Daher kann eine Factoring-Gebühr bei 0,5 Prozent liegen oder auch bei 2,0 Prozent. Die Zinskomponente für die Bevorschussung der Forderungen liegt bei einem Aufschlag zwischen 3,0 und 4,5 Prozent auf den 3-Monats-Euribor. Dabei handelt es sich um den Interbankensatz (liegt bei aktuell ca. 2,0 Prozent), zu dem wir Geld aufnehmen können.

Was unterscheidet die EKF möglicherweise von anderen Factoring-Anbietern?

Wir sind echte „Service-Freaks“. Von Beginn an nehmen wir unsere Kunden an die Hand, weil wir glauben, dass eine lange und vertrauensvolle Kundenbeziehung nur so funktioniert. Unsere Kunden haben einen festen Ansprechpartner, gemäß dem Prinzip:
One Face to the Customer. Sie werden bei uns nicht von einem Mitarbeiter zum anderen weitergeleitet, wenn sie unterschiedliche
Fragen haben. Der Kundenbetreuer oder die Kundenbetreuerin ist jederzeit in der Lage, dem Kunden weiterzuhelfen.

Die EKF hat bereits eine lange Unternehmensgeschichte.

Inwieweit profitieren Ihre Kunden von dieser Tradition?

Ich hoffe doch sehr. Wir sind ja selbst ein mittelständisches Unternehmen, das viele Jahre im Bereich des Handels tätig war. Daher kennen wir die Sorgen und Nöte unserer Kunden und nehmen diese selbstverständlich ernst.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen persönlich aus?

Der ist sehr unterschiedlich. Das kommt darauf an, ob ich zum Beispiel zusammen mit einem Kollegen der SVG Hessen zu einem
Interessenten fahre und ihn berate oder ob ich Unterlagen potenzieller Kunden auswerte, damit eine Zusammenarbeit möglichst kurzfristig starten kann.

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