Credit: Elma Mujovic

Wie sieht der öffentliche Verkehr der Zukunft aus? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachkonferenz, „Autonomes Fahren“, die am 10. Juni 2026 im House of Logistics and Mobility (HOLM) in Frankfurt am Main stattfand.  

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verkehrsunternehmen und öffentlichen Institutionen gaben Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um autonome Mobilität. Besonders deutlich wurde dabei, dass autonome Fahrzeuge nicht mehr nur eine Vision für die ferne Zukunft sind, sondern bereits heute in zahlreichen Pilotprojekten getestet werden. Im Fokus standen sowohl Anwendungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) als auch autonome Logistiklösungen auf Flughäfen. 

Mobilität statt Technologie 

Eine zentrale Botschaft der Veranstaltung lautete: „Autonomie ist kein Ziel, bessere Mobilität ist das Ziel.“ Christopher Kuhlmann machte deutlich, dass neue Technologien nicht als Selbstzweck betrachtet werden dürfen. Vielmehr sollen autonome Fahrzeuge dazu beitragen, Mobilität effizienter, flexibler und für mehr Menschen zugänglich zu machen. 

Ein zentrales Thema war in diesem Kontext die Rolle des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), der bereits seit mehreren Jahren verschiedene Projekte zur autonomen Mobilität begleitet. Ziel ist es, autonome Fahrzeuge künftig als Ergänzung zum bestehenden Verkehrsangebot einzusetzen. Besonders sogenannte On-Demand-Verkehre, die nur bei Bedarf fahren und flexibel gebucht werden können, gelten als vielversprechender Ansatz. Erste Projektansätze wie „hvv hop (Hamburgerverkehrsverbund hop)“, „MOIA“, „ALIKE (Autonomes Fahren und Ridepooling“ oder „ahoi (Automatisierung des Hamburger On-Demand-Intergrationsangebot“ zeigen, wie individuelle Mobilität und öffentlicher Verkehr miteinander kombiniert werden können.  

Diese Angebote sollen insbesondere die sogenannte „erste und letzte Meile“ zwischen Wohnort und nächster Haltestelle abdecken und damit Lücken im bestehenden Netz schließen. 

Das Pilotprojekt KIRA in Hessen 

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zudem das hessische Pilotprojekt KIRA, das als eines der sichtbarsten Beispiele für autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr vorgestellt wurde. Derzeit sind acht autonome Fahrzeuge in den Regionen Langen, Egelsbach, Kreis Offenbach und Darmstadt im Einsatz. Nach Aussage der Projektverantwortlichen zeigt KIRA (KI-basierter Regelbetrieb autonomer On-Demand-Verkehre) bereits heute, dass autonomes Fahren nicht nur ein Zukunftsszenario ist, sondern unter realen Bedingungen funktioniert.
Das Projekt ermöglicht Fahrgästen in den Testregionen erste Erfahrungen mit autonomer Mobilität im Alltag und gilt bundesweit als eines der wichtigsten Pilotprojekte für autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr. Die hessische Landesregierung verfolgt das Ziel, KIRA weiterzuentwickeln und die bisherigen Pilotanwendungen auf weitere Regionen auszuweiten. 

Chancen und Herausforderungen 

Für die Entwicklung autonomer Mobilitätsangebote gibt es mehrere Gründe. Zu den Chancen autonomer Mobilität zählen vor allem eine höhere Flexibilität für Fahrgäste, die bessere Anbindung ländlicher Regionen sowie die Schließung von Mobilitätslücken auf der ersten und letzten Meile. Zudem können autonome Fahrzeuge dazu beitragen, dem Fachkräftemangel im Verkehrssektor entgegenzuwirken und den öffentlichen Nahverkehr langfristig effizienter zu gestalten. Auch für ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität bieten autonome Angebote die Möglichkeit, unabhängiger unterwegs zu sein. 

Als wesentliche Herausforderungen nannten die Referenten den zunehmenden Fachkräftemangel im Verkehrssektor, die finanzielle Belastung öffentlicher Haushalte, steigende Erwartungen an flexible Mobilitätsangebote sowie die Notwendigkeit wirtschaftlich tragfähiger Lösungen. Moderne Mobilitätskonzepte müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern langfristig auch wirtschaftlich umsetzbar sein. 

Die Anschaffung autonomer Fahrzeuge, der Aufbau einer technischen Infrastruktur sowie die Entwicklung leistungsfähiger Software erfordern hohe Investitionen. Hinzu kommen Kosten für Sicherheitsmaßnahmen, Genehmigungen und Überwachungssysteme. Besonders kleinere Verkehrsunternehmen stehen vor der Herausforderung, diese finanziellen Belastungen zu stemmen. Darüber hinaus sind Zuständigkeiten zwischen Verkehrsverbünden, Kommunen, Bundesländern und dem Bund teilweise noch unklar, was die Einführung neuer Systeme erschwert. 

Autonome Logistik am Flughafen 

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf autonomen Anwendungen in der Flughafenlogistik. Flughäfen gelten als ideale Testumgebungen, da sie über klar definierte Verkehrsflächen verfügen und der Zugang streng kontrolliert wird. Vorgestellt wurde unter anderem das Projekt „Smart AirCargo Trailer“ von Prof. Dr. Benjamin Bierwirth, bei dem autonome Fahrzeuge den Transport von Luftfracht zwischen verschiedenen Bereichen des Flughafens übernehmen.

Testergebnisse aus Stuttgart zeigen bereits, dass autonome Fahrzeuge bei einfachen und wiederkehrenden Fahrten sehr zuverlässig arbeiten. Schwierigkeiten bestehen jedoch weiterhin bei der Hinderniserkennung sowie beim automatisierten Be- und Entladen von Fracht. 

Fazit 

Autonome Mobilität wird als wichtiger Bestandteil des zukünftigen öffentlichen Verkehrs betrachtet. Dennoch befinden sich viele Systeme noch im Prototypenstadium. Für einen flächendeckenden Einsatz sind weitere technische Entwicklungen, rechtliche Anpassungen und umfangreiche Praxistests notwendig. Die vorgestellten Projekte zeigen jedoch eindrucksvoll, dass autonomes Fahren das Potenzial besitzt, den öffentlichen Verkehr langfristig flexibler, nachhaltiger und effizienter zu gestalten. 

Die Zukunft der Mobilität wird daher vermutlich nicht durch eine einzelne Technologie geprägt sein, sondern durch das Zusammenspiel klassischer Bus- und Bahnverkehre. Die vorgestellten Projekte liefern bereits heute einen spannenden Ausblick darauf, wie unsere Zukunft aussehen könnte. 

Verfasst von Elma Mujovic | SVG Hessen eG

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