Credit: Blicki Blickt´s

Müllautos, große Tieflader: Lkw sind oft faszinierend für Kinder. Aber im Straßenverkehr auch eine potenzielle Gefahr für sie. Dass sich Kinder gegenüber Lkw sicher verhalten, daran arbeitet der Verein „Blicki blickt’s“ schon seit 2017.

Der tödliche Unfall mit einem Kind, den einer seiner Fahrer 2015 hatte, war für Oliver Groß, den damaligen Chef eines Entsorgungsunternehmens, der Anstoß. Er überlegte, was man gegen solche tragischen Unfälle tun könne, und gründete 2017 mit Dirk Hendler den eingetragenen Verein „Blicki blickt’s“. „Technische Hilfsmittel gab es auch damals schon, aber der menschliche Faktor war halt trotzdem da und dadurch ist damals der Unfall passiert“, erzählt Hendler, der heute der Geschäftsführer des Vereins ist.
Und an diesem menschlichen Faktor wollten sie ansetzen. Zusammen mit Pädagogen entwickelten die beiden ein Konzept für Grundschulkinder rund um das Känguru Blicki, mit dem sie seither in Schulen gehen. Inzwischen hat der Verein ein festes Team
von sechs Mitarbeitern und etwa 100 Ehrenamtlichen, die sich um die Organisation und Umsetzung der Workshops kümmern.

Kinder haben nur 60% des Sichtfeldes von Erwachsenen.

Dirk Hendler

Workshops in drei Phasen

Jeder Blicki-Workshop ist in drei Phasen unterteilt. Für die erste Phase erhalten Lehrerinnen und Lehrer Material, um das Thema mit der Klasse vorzubereiten. „Dabei bekommen sie auch ein Gefühl, wo die Kinder stehen bei der Verkehrserziehung und dem Wissen über Lkw“, erklärt Hendler.

In der zweiten Phase des Workshops wird es praktisch. Der Verein kommt in die Schule – mit Känguru Blicki und einem Lkw. Die Kinder erleben das Fahrzeug und seine Dimensionen. „Das Highlight ist für viele, wenn sie ins Cockpit klettern dürfen und sehen können, was der Fahrer sieht“, berichtet Dirk Hendler. „Auch für die Lehrerinnen und Lehrer ist es ein großer Aha-Moment zu
erleben, dass eine komplette Klasse im toten Winkel verschwinden kann.“

In der dritten Phase schließlich sollen die Kinder das Thema in den Familien nachbereiten. „Nur so ist es möglich, die Routinen
zu entwickeln, damit die Kinder in Gefahrensituationen die richtigen Entscheidungen treffen können“, betont Hendler. Über 70.000 Kinder haben die Blicki-Workshops bisher schon bundesweit erreicht. Seit 2020 wird „Blicki blickt’s“ vom Bundesverkehrsministerium gefördert. Und seit 2022 ist auch der Bundesverkehrsminister Schirmherr der Initiative. Bis zum Ende der Ampelkoalition war dies Volker Wissing, aktuell ist der Verein mit Verkehrsminister Patrick Schnieder im Gespräch. Fortlaufend werden die Konzepte des Vereins weiterentwickelt. Im Sommer 2025 ist ein Blicki-Wimmelbuch für Vorschulkinder erschienen. Und gerade arbeiten Dirk Hendler und sein Team an einem Wimmel-Workshop, mit dem sie in Kitas und Vorschulen gehen wollen.

Brieffreundschaften mit Truckern

Außerdem soll die Verbindung zum anderen „menschlichen Faktor“, zu den Lkw-Fahrern, geknüpft und auch ihnen ein Perspektivwechsel ermöglicht werden. Unter dem Stichwort „Blicki Brummi Briefe“ will der Verein Brieffreundschaften zwischen Grundschulklassen und Lkw-Fahrern initiieren.
Denn genauso wie es Wissenslücken bei Kindern bezüglich Trucks gibt, mag es auch welche bei Truckern bezüglich Kinder geben. „Kinder haben nur 60 Prozent des Sichtfeldes von Erwachsenen, also eine wirklich sehr eingeschränkte Sicht“, unterstreicht Dirk Hendler, „und es dauert, bis sie elf Jahre sind, bis sich das Sichtfeld komplett ausgebildet hat.“

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