Credit: Schlosser Cartrans
Gibt’s bei manchen Unternehmen gar keinen Übernahmewilligen, so sind es bei Schlosser Cartrans gleich zwei. Und auch die Entscheidung, ob er die Spedition innerhalb der Familie oder extern weitergibt, musste Seniorchef Michael Schlosser nicht treffen.
Michael Schlosser weiß wirklich, was es bedeutet, ins kalte Wasser geworfen zu werden. Dabei passierte es weder vorsätzlich noch fahrlässig. Sein Vater Willi hatte 1972 eine Spedition für den Transport von Holz, Metallen und Schüttgut gegründet, und er saß auch selbst regelmäßig am Steuer. Als er 1998 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam, waren Michael und sein
Bruder plötzlich in der Verantwortung.
Er selbst würde seine Weitergabe des Betriebs besser vorbereiten, diese Überzeugung prägte Schlossers gesamte Laufbahn als Unternehmer. Aus einem Teil des geerbten Betriebs formte er seinerzeit die Schlosser Cartrans. Das Unternehmen aus Mücke im Vogelsbergkreis ist heute spezialisiert auf Autotransporte, genauer gesagt: auf Leasing- Rückläufer.
Wenn der Vertrag für einen Leasing-Pkw endet, fährt beim Kunden einer der 15 Autotransporter von Schlosser Cartrans vor und holt den Wagen ab. Aber mit diesem Unternehmen hat Michael Schlosser inzwischen operativ gar nichts mehr zu tun. Der Betrieb ist heute in drei Unternehmen aufgeteilt:
die Transportlogistik für die Rückholung der Pkw, die Lagerlogistik für die Reinigung und Einlagerung sowie eine Werkstatt, in der mögliche Schäden an den Leasing-Wagen repariert werden.
Das erste leitet Tochter Sophia Schlosser, das zweite die langjährige Angestellte Ellen Eberhardt. Und Michael Schlosser hat sich auf die Werkstatt zurückgezogen.
Ein Familienbetrieb bedeutet eine Verantwortung über Generationen hinweg. Für mich ist es nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern meine eigene Geschichte und Identität.
Sophia Schlosser
Dabei stand es keinesfalls von Kinderbeinen an fest, dass sie den Betrieb übernehmen würde. Was sie schon als Kind mochte und bis heute mag, ist der Austausch mit den Fahrern – „unsere Herzstücke, so nenne ich es mal.“ Und ihr Vater als selbstständiger Unternehmer sei auch immer schon ein Vorbild für sie gewesen. Als 2014 die Übergabephase startete und Sophia als Disponentin einstieg, war klar, dass sie einmal die Verantwortung übernehmen würde. 2021 war die Übergabe dann so weit.
Und wie kommt Ellen Eberhardt in das geschäftsführende Triumvirat bei Schlosser Cartrans? „Einfach beworben, wie man das so macht“, erzählt sie lachend. Beworben hat sie sich erstmal als Auszubildende zur Kauffrau für Speditions- und Logistikdienstleitungen. „Seither habe ich so einige Stationen durchlaufen, die mich bis heute prägen, auch was den Umgang mit Menschen betrifft.“ Und so führte der 2010 eingeschlagene Weg auch sie 2021 in die Unternehmensleitung.
Dass Ellen als Nicht-Familienmitglied ein Familienunternehmen leitet, fand keiner der drei je problematisch. Sie kämen doch alle vom Dorf, unterstreicht Michael, und Ellen auch aus einer Unternehmerfamilie. Dass das aber nicht unbedingt selbstverständlich ist, ist Ellen bewusst:
Ich habe Respekt vor diesem Vertrauen mir gegenüber.
Ellen Eberhardt
Einmal pro Woche tauschen sich die drei bei einem Geschäftsführer-Termin aus, im Übrigen betreut jeder seinen Bereich. Dabei
begegnen sie sich vollständig auf Augenhöhe. „Zwischen Sophia und Ellen mache ich keinen Unterschied. Wenn’s um das Geschäft geht, muss man familiäre Dinge hinten anstellen“, betont Michael Schlosser.
Mit dieser Konstellation in der Geschäftsleitung hat er sich, genau wie er es wollte, zu seinem 60. Geburtstag aus dem Hauptunternehmen zurückgezogen. Mit 65 will er auch die Werkstatt abgeben, aber bis dahin dauert es noch. Zeit ist nach seiner Ansicht ein entscheidender Faktor.
Wenn ich anderen einen Rat geben soll, fangt spätestens nach dem 50. Geburtstag an zu überlegen. Vielleicht auch nach dem 51., aber nicht erst nach dem 60.
Michael schlosser
Diese Empfehlung teilt er auch mit Kollegen bei den Erfa-Gruppen der SVG. Vertrauen und Kommunikation sind die beiden anderen unbedingt notwendigen Voraussetzungen aus Sicht des Teams von Schlosser Cartrans. „Es ist wichtig, dass man die Nachfolger ihre Erfahrung sammeln lässt. Dazu gehört auch, Fehler zu machen, sonst würden wir nicht weiter lernen“, betont Sophia Schlosser. Den Wert des kommunikativen Austauschs unterstreicht Ellen Eberhardt: „Wir drei haben sehr unterschiedliche Perspektiven, schaffen es aber trotzdem, offen und ehrlich miteinander umzugehen und das auszusprechen, was wir denken. Diese Vielfalt, die jeder von uns reinbringt, und unsere unterschiedlichen Denkmuster, das bringt uns schon weit.“





