Überraschenderweise wächst die Logistikbranche im Jahr 2027 um voraussichtlich 1,0 Prozent. Das prognostiziert das renommiert besetzte Gremium der Logistikweisen.
Hohe Energiepreise, anhaltende Strukturprobleme, der Iran-Konflikt und die wachsende Konkurrenz aus China: Angesichts dieser Herausforderungen gingen Experten bisher von düsteren Aussichten für die Logistik 2027 aus. Bei ihrem aktuellen Herbstgipfel 2026 stellten die Logistikweisen jetzt aber einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont fest und rechnen mit einem Wachstum von einem Prozent.
Das Gremium um Prof. Dr. Christian Kille vom Institut für Angewandte Logistik der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt führt dieses Wachstum im Wesentlichen auf diese Gründe zurück:
- Die Lagerbestände werden aus Sorge vor Lieferengpässen aufgefüllt.
- Dafür sind Exporte notwendig.
- Die vermehrt entstehenden KI-Rechenzentren benötigen Elektronik und andere Ausstattung.
Impulse aus Bau und Elektronik
Andere Entwicklungen zeigten dagegen kaum Effekte. Die boomende Verteidigungsindustrie frage nur wenig Logistik nach, und auch das Niedrigwasser in den Binnenwasserstraßen im Sommer 2026 habe die Gesamtentwicklung der Logistik kaum positiv beeinflusst, stellen die Logistikweisen fest.
Für 2027 erwarten sie vor allem aus der Bauwirtschaft und der Elektronikbranche Impulse. Im Bereich Maschinenbau und Konsumgüter sehen sie ebenfalls eine positive Tendenz; Automobil, Chemie und Gebrauchsgüter stagnierten hingegen.
Experten errechnen drei Szenarien
Seit 2013 geben die Logistikweisen jährlich ihre Einschätzung der zu erwartenden Trends ab. Die Expertenrunde setzt sich zusammen aus Wissenschaftlern sowie Praktikern aus der Logistik und anderen Wirtschaftszweigen.
Aufgrund von gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen und ihrer persönlichen Expertise entwerfen sie drei mögliche Entwicklungsmodelle: ein Best- und ein Worst-Case-Szenario, in diesem Fall mit 1,6 Prozent beziehungsweise 0,2 Prozent Wachstum. Sozusagen als Durchschnitt beider Extremwerte ergibt sich dann das Trend-Szenario mit eben einem Wachstum von einem Prozent.





